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Datenschutz in früheren Zeiten

Den Begriff "Datenschutz" gab es zu dieser Zeit natürlich noch nicht. Der kam erst auf, als die ersten digitalen Pflänzchen entstanden. Vor 150 Jahren hatte der Bauer kaum persönliche Rechte. Die einzigen Rechte, die "verwaltet" wurden, waren sein Eigentum von Bauernhof und Acker. Ärmere Menschen wurden im Allgemeinen gar nicht registriert.

Die ersten Meldebücher waren Kirchenbücher. Die erste bischöfliche Anweisung, solche Kirchenbücher zu führen, stammt aus 1435 (Konstanz). Kirchenbücher sind spezielle Einwohnerregister über Geburten, Taufen, Eheschließungen, Todesfälle. In Regionen, in denen die Reformation durchgesetzt wurde, verlangte die evangelische Herrschaft ab 1517 das Führen von Kirchenbücher. Eheregister und Taufbücher wurden dann 1563 verpflichtend eingeführt (Konzil von Trient). Viele Unterlagen gingen während der Kriege, besonders im 30-jährigen Krieg (1618-1648), aber auch durch Unwetter und Feuersbrünste verloren.

„Steuerlisten“ - wie das Register in Winsen a.d. Aller von 1770 - gab es seit dem Feudalismus. Für die feudalen Grundherren, weltlichen oder kirchlichen Herrschaften, mussten die abgabenpflichtigen Bevölkerungsteile Dienstleistungen und Steuern erbringen. Da brauchte die Herrschaft eine Übersicht. In Norddeutschland waren diese Feudalherren z. B. Herzöge und später dann Fürsten. In unserer Region existierte das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg seit 1235. Diese Steuerabgaben- und Dienstleistungspflicht galt für die Bevölkerung in Stadt und Land. Es gibt Register aus dem 14. Jahrhundert, aus denen man die Hausbesitzer (sog. Feuerstellen) ermitteln kann. Wer sonst noch im Hause wohnte, wurde erst später erfasst; in Winsen a. d. Aller besitzen wir z. B. ein Register für 1770.

Ein weiterer Grund, „Einwohnerlisten“ zu führen, waren Kriege, denn es gab erst nach dem 30-jährigen Krieg ein stehendes Heer. Das bedeutet, dass die Feudalherren aus der Bevölkerung Soldaten rekrutierten,  da die Feudalherren die Handlungsmächtigen waren. Die genaue Kenntnis über die männliche Bevölkerung, aber auch über deren Besitz, war kriegswichtig. Amtliche ausführliche Register und Kirchenbücher waren wichtige Informationsquellen für die Herrschaft. 

Text von Gabriele Scheibner

Quellen: > Angelika Kroker: Schöne alte Welt? Museale Darstellung und historische Lebenswirklichkeit. > Chronik Winsen/Aller, Paul Borstelmann - 14. Jahrhundert: Vogtei Celle später Großvogtei Celle. 1550 gab es schon das erste Vogthaus in Winsen a. d. Aller. Vorläufer war der „Gogrefen“, ein vom Volk gewählter Richter, der dem Herzog z. B. Bericht über Gerichtsverfahren und Strafen erstattete. - 1360 Lüneburger Lehensregister # 340 = Rittergut am Junkertor, Johann von Dageförde erhält - 1438 Schatzregister „Steuerregister“ Winsen hat 50 Höfe und Kötnerstellen im Durchschnitt mit 6 Personen bewohnt = 300 Einwohner. Nichtabgabepflichtige Bevölkerungsteile wie Knecht, Häuslinge, Brinksitzer wurden nicht gezählt. - 1479 Register: Hier stand erstmalig der Name „Cord Clawening“, Müller in Winsen a.d.Aller. - 1667 Hausbuch von Winsen a.d.Aller - Aufzählung der Höfe und Kötner über Abgabenpflicht